Wir sprechen mit Elisa Arenai, der Ko-Koordinatorin des pädagogischen Teams in der Sicherheitseinheit, über das Bildungs- und Freizeitprogramm im Sommer. Es ist eine besondere Situation, denn in der UNISEC dürfen die Jugendlichen das Gelände nicht verlassen, um ins Kino oder ins Schwimmbad zu gehen. Außerdem ist die Schule vorbei, also muss ein ganzes Ferienprogramm organisiert werden – genau darüber wollen wir sprechen.

Elisa, wie funktionieren die Sommerferien bei UNISEC? Es ist eine schwierige Zeit. Die Jugendlichen sind während der schönsten Zeit des Jahres eingesperrt – das ist natürlich nicht einfach. Deshalb versuchen wir, für jede Ferienwoche Projekte zu organisieren, jeweils von Montag bis Freitag, am Nachmittag. Die Projekte sind sehr vielfältig. Die Erzieher leiten sie, manchmal auch gemeinsam mit den Sicherheitskräften. Auch Psychologen machen gelegentlich mit. Es ist eine sehr gesellige und interdisziplinäre Zeit.

Wir sind eingeschränkt – durch Sicherheitsvorgaben und durch die Mauern. Aber wir sind kreativ. Wir hatten zum Beispiel schon Ponys für pädagogische Tierprojekte in der UNISEC.

Es gibt auch Projekte zum Wohlbefinden, die die Jugendlichen sehr mögen – Gesichtsmasken herstellen, gesünder kochen oder mit unbekannten Zutaten arbeiten. Außerdem gibt es Multisport-Turniere oder kleine Olympiaden.

Und dann bereitet ihr diesen Sommer ein ganz besonderes Projekt vor, richtig ?

Ja, ein großes neues Projekt dieses Jahr ist die Fotografie mit einer externen Fachkraft. Es ist eine Art Therapie durch Fotografie. Das Projekt läuft über drei Wochen (nicht aufeinanderfolgend), jeweils Montag bis Freitag. Die Jugendlichen erstellen ein autobiografisches Fotobuch und lernen, sich durch Fotos auszudrücken.

Ein weiteres Projekt ist ein Rhetorikwettbewerb zum Thema Resilienz. Die Jugendlichen sollen erklären, was Resilienz bedeutet und über ihren Lebensweg sprechen – mit einem etwas gehobeneren Sprachstil. Am Ende gibt es eine schöne Belohnung.

Dann gibt es ein Projekt zur Kleidungs-Gestaltung: T-Shirts und Shorts werden selbst gestaltet, geschnitten und genäht. Die Erzieher bringen jeweils ihre Expertise ein, aber wir arbeiten auch mit externen Fachleuten. Letztes Jahr waren viele Jugendliche am Militär interessiert – also kam das Militär mit einem großen Truck vorbei und stellte seine Ausrüstung vor.

Wir machen auch Rollenspiele: Jugendliche, die Straftaten begangen haben, spielen ihre Tat nach – aber auch die Rolle des Opfers. Das sensibilisiert sie und bringt sie aus ihrer Komfortzone.

Sie entdecken neue Fähigkeiten und Interessen. Beim Sport versuchen wir, neue Disziplinen einzuführen – nicht immer nur die gleichen. Das stärkt die Gruppendynamik, auch zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. Psychologen und Sicherheitskräfte machen mit – das schafft Verbindung und fördert Kreativität.

Und wie ist das mit der Teilnahme? Ist sie verpflichtend?

Anfangs war sie verpflichtend, aber das Programm ist umfangreich, und manchmal hat man einfach keine Lust. Seit letztem Jahr ist die Teilnahme freiwillig. Wir motivieren sie – zum Beispiel bei Gruppenprojekten wie der Olympiade. Bei Wohlfühlprojekten ist es weniger schlimm, wenn jemand fehlt. Wer nicht teilnimmt, darf aber nicht fernsehen oder ins Schwimmbad.

Apropos Schwimmbad – habt ihr eines aufgebaut?

Ja, wir haben ein großes Schwimmbad innerhalb der UNISEC. Die Jugendlichen haben selbst Regeln aufgestellt – Zeitpläne, Reinigung, Kontrolle des pH-Werts. Einige sind für das Schwimmbad verantwortlich. Es lief bisher sehr gut, auch wenn das Wetter anfangs schlecht war. In den letzten Tagen konnten sie es genießen.

Man könnte denken, das Schwimmbad sei Luxus, aber der Innenhof heizt sich extrem auf. Auch die Sporthalle ist im Sommer sehr heiß. Der Hof wirkt wie ein Kessel. Deshalb ist es wichtig, dass die Jugendlichen sich abkühlen und austoben können.

Klimawandel betrifft uns alle. Das könnte auch ein Projekt werden – zum Thema Klimawandel.

Vielen Dank, Elisa. Ich schlage vor, dass wir in den kommenden Wochen regelmäßig über die Projekte berichten.